Hitchcock.
Vom Buch zum Film

02.07.2018
Die Ausstellung zeigt Filmplakate, vergleicht Scripts mit Vorlagen sowie Bücher über den berühmten Regisseur und Drehbuchautor Alfred Hitchcock, denn die meisten seiner Kinofilme sind Literaturadaptionen (bis 20.12.)

Bei der Herbst-Ausstellung 2018 – passend zum 10. Krimifest von 8. bis 10. November – widmet sich das Literaturhaus Salzburg dem weltbekannten Filmregisseur und Drehbuchautor Alfred Hitchcock. Gezeigt werden ausgewählte Filmplakate aus verschiedenen Ländern, Filmscripts sowie Bücher als Filmvorlagen und über Hitchcock. Der Salzburger Filmkritiker Helmut Hollerweger steuert einen Text zum Thema „Vom Buch zum Film“ bei.

Hitchcock fasziniert und beeinflusst bis heute zahlreiche Künstler und Filmschaffende. Vergleichbar einem Roman-Schriftsteller, der praktisch als allein Verantwortlicher für sein Werk gilt, wird Hitchcock dem Autorenfilm zugerechnet. Er selbst war kein großer Leser von Fiktion, sondern bevorzugte Biografien, bell & ross replica historische Bücher und Reiseliteratur. „Hitch“ verfasste aber Drehbücher, entwarf seine minutiösen Storyboards mit Skizzen für jede einzelne Kameraeinstellung und hat sich für seine Filme zahlreicher literarischer Vorlagen bedient, die er geschickt für seine Zwecke adaptierte. Von seinen 53 Kinofilmen sind 41 Literaturadaptionen, z.B. von W. Somerset Maugham, Joseph Conrad, Daphne du Maurier, Patricia Highsmith und Robert Bloch. Zu Hitchcocks berühmten Drehbuchautoren zählen u.a. John Steinbeck, Thornton Wilder, Dorothy Parker, Raymond Chandler und George Tabori.

„Alfred Hitchcock hasste abgefilmtes Theater. Er plante seine Filme visuell und liebte das pure cinema, das ‘reine’ Kino. Die meisten seiner Geschichten basieren auf literarischen Vorlagen, die sich unter seiner Regie zu Wechselbädern gewalttätiger und zärtlicher Bilder mischten, subtil und voller Suspense.“ Das schreibt die Publizistin und Journalistin Barbara Damm in ihrem Aufsatz mit dem Titel „Ich lese eine Geschichte nur einmal“, Alfred Hitchcock oder die Kunst der Literaturadaption, erschienen im Band „Hitchcock und die Künste“ (Schüren Verlag, 2013) –herausgegeben von Henry Keazor, der zur Vernissage am 13. September ins Literaturhaus kommt.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr sowie bei Abendveranstaltungen (bei Vormittagsveranstaltungen eingeschränkter Besuch)
Eintritt: frei
Veranstalter: Verein Literaturhaus
Kuratiert und organisiert wurde die kleine Schau von Tomas Friedmann, Emanuel Gauß und Evelyn Innerbichler.

VERNISSAGE: 13. September, 19.30 Uhr, Literaturhaus

Bei der Vernissage der Ausstellung „Hitchcock. Vom Buch zum Film“ spricht der Salzburger Filmkritiker Helmut Hollerweger mit dem deutschen Kunstgeschichte-Professor Henry Keazor, der u.a. zu Architektur, Kunst, Medien und Musik publiziert und Herausgeber des Bandes „Hitchcock und die Künste“ (2013) ist. Anschließend wird der Dokumentarfilm „Hitchcock/Truffaut“ (2015, 80 Min.) von Kent Jones gezeigt, in dem neben den beiden Regisseuren berühmte Filmemacher wie Peter Bogdanovich, Kiyoshi Kurosawa und Martin Scorsese zu Wort kommen und der auf Interviews des Filmkritikers Truffaut mit Hitchcock basiert, gesammelt im Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ („Le Cinéma selon Hitchcock“, 1966).

Alfred Hitchcock hat Kinogeschichte – beginnend in der Stummfilmära – erlebt, geprägt und geschrieben. Er war erfolgreicher Künstler mit großem Marketingtalent und Ironie, wie auch seine Cameo-Auftritte zeigen. Hitchcock hat die disziplinübergreifenden Verbindungen von Fotografie, Literatur, Malerei und Musik für seine Filme meisterhaft eingesetzt und weiterentwickelt. Der französische Filmemacher, Hitchcock-Fan und Freund Francois Truffaut schrieb 1966: „Wenn man (...) die Vorstellung akzeptiert, daß das Kino der Literatur ebenbürtig sei, so muß man Hitchcock den Künstlern der Angst, wie Kafka, Dostojewski und Poe zuordnen – doch warum überhaupt zuordnen? Diese Künstler der Angst bieten uns natürlich keine Lebenshilfe, zu leben erscheint ihnen schwer genug, aber ihre Mission ist, uns an ihren Ängsten teilnehmen zu lassen. Dadurch helfen sie uns, seis vielleicht auch unbeabsichtigt, uns besser zu verstehen, ein grundlegendes Ziel jedes Kunstwerks.“

Alfred Hitchcock, geboren am 13. August 1899 in Leytonstone/England, gestorben am 29. April 1980 in Los Angeles/USA als britisch-amerikanischer Doppelstaatsbürger. Er gilt als einer der einflussreichsten Filmregisseure im Genre Thriller und etablierte Begriffe wie „Suspense“ und „MacGuffin“. Außerdem war er Drehbuchautor, Filmproduzent und Filmeditor. Sein Gesamtwerk umfasst 53 Spielfilme, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, 1941 erhielt er für „Rebecca“ den Oscar für den besten Film. Von 1955 bis 1965 produzierte er eine wöchentliche TV-Serie und gab seinen Namen für ein Krimi-Magazin her sowie für Bücher wie die Jugend-Krimi-Reihe „The Three Investigators“, die in den USA von 1964 bis 1987 erschien und auf Deutsch seit 1968 als „Die drei ???“.