liteRADtour

Die 25. liteRADtour (200 Jahre Fahrrad) findet am Sonntag, 24. September 2017, statt! Eintritt/Teilnahme: frei.

12.30 Uhr: literarischer Frühschoppen – "Notizen eines Radfahrers" von und mit Bernhard Flieher

Der Journalist und begeisterte Radler liest Kolumnen, Glossen und kurze Erzählungen über das Rennradfahren. Er begleitet legendäre Helden und trifft auf den größten Gegner auf der Radstrecke: sich selbst. Zum einstündigen Programm gibt es passende Musik und zur Stärkung einen Radl-Brunch mit Getränken und Snacks.

14 Uhr: liteRADtouren 2017 – Vorstellung der zwei- bis dreistündigen literarischen Radtouren 2017 durch die Expert*innen, Gruppeneinteilung und Start:

 • Psychoanalyse und Hausdurchsuchung

Der Historiker Gert Kerschbaumer hat sich mit einer Zweig-Biografie, seinen Recherchen über nationalsozialistische Beutekunst und die Salzburger Bücher-verbrennung sowie die wissenschaftliche Begleitung des Projekts Stolpersteine einen Namen gemacht. Er begibt sich auf die Spuren von Sigmund Freud und Stefan Zweig.

 • Der kritische Beobachter vom Festungsberg

Der Literaturwissenschafter und Vorsitzende der Internationalen Stefan Zweig-Gesellschaft, Hildemar Holl, ist mit seiner Gruppe in das Haus des Salzburger Satirikers, Lyrikers und Essayisten Gerhard Amanshauser (1928-2006) eingeladen, wo die Witwe des Schriftstellers sie empfängt und sich interessierten Fragen stellt.

 • Poesie und Widerstand

Die Autorin, Literaturjournalistin und Regisseurin Brita Steinwendtner kannte und kennt viele Autor*innen persönlich. Mit H.C. Artmann, der ab 1972 in Salzburg lebte, und mit Ilse Aichinger, die rund 20 Jahre in Großgmain wohnte, verband sie eine enge Beziehung. Sie radelt auf den Spuren der beiden berühmten, verstorbenen Dichter.

• Vom Keller zum Festspiel-Skandal

Der Germanist, Leiter des Literaturarchivs Salzburg und Co-Leiter der Rauriser Literaturtage Manfred Mittermayer ist Spezialist für Thomas Bernhard – als Biograph, Mitherausgeber der Werkausgabe und Ausstellungsmacher. Er hinterfragt die Salzburg-Beziehung des berühmten Autors und führt zu Lebens- und Werkstationen.

• Tatort Salzburg

Der Krimi-Autor und Kabarettist Manfred Baumann – seit seinem erfolgreichen Debüt „Jedermanntod“ (2010) sind bisher 5 Fälle für Merana erschienen – fährt auf eigenen kriminellen Spuren und denen von Wolf Haas, Franz Zeller, Tatjana Kruse u.a. zu lokalen Tatorten, liest Textpassagen und erzählt von gefährlichen Begebenheiten.


ALLGEMEIN:

„Wieviel Literatur braucht eine Stadt? Und wieviel Platz bekommen Radfahrer und Radfahrerinnen? Das im Gefolge des Wirtschaftswunders verstoßene Fahrrad hat seinen Platz auf unseren Straßen im Triumphzug zurückerobert. Jetzt gilt es der Literatur eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen."

So schrieb der damals neue Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann anlässlich der 1. liteRADtour, die er für 19. September 1993 ansetzte. Der Erfolg gab ihm recht, zahlreiche Literaturfans kamen per Rad, um mehr über Salzburger Autor*innen und deren Geschichten zu "erfahren", Salzburger Reiseführer schrieben eifrig mit, die Idee wurde mancherorts kopiert ... Und abends begeisterte Uwe Dick mit seinem „Monolog eines Radfahrers“.

Seit 25 Jahren radeln und spazieren also jedes Jahr an einem Sonntag im September Neugierige auf den Spuren von Georg Trakl, Thomas Bernhard, Stefan Zweig, H.C. Artmann, Peter Handke, Gerhard Amanshauser u.v.a. – geführt von Expert*innen wie Hans Weichselbaum, Gert Kerschbaumer, Manfred Mittermayer, Matthias Part, Brita Steinwendtner, Hildemar Holl etc.

Treffpunkt ist stets um 14 Uhr vor dem Literaturhaus, die kundigen Führer stellen ihre Touren vor, die Leute entscheiden sich – und schon gehts los kreuz und quer durch die Stadt: zwischen Mönchsberg (Brecht, Handke) und Kapuzinerberg (Zweig) zum Residenzplatz (Bücherverbrennung) oder Richtung Scherzhauserfeld-Siedlung (Bernhard) oder zum Schloß Leopoldskron (Reinhardt) oder zum Waagplatz (Trakl) oder gen Untersberg (Artmann, Aichinger). Und inzwischen gab es auch schon eine Tour für Kinder, eine Wanderung in Henndorf (Zuckmayer) und einen Spaziergang durchs "Jüdische Andräviertel" (Salzburger Stadtteil) – von Stolperstein zu Stolperstein bis in die Synagoge zum damals 100-jährigen Präsidenten der Jüdischen Kultusgemeinde Marko Feingold.

10. liteRADtour

20. liteRADtour

2001 erschien in der Edition Eizenbergerhof – herausgegeben von Peter Fuschelberger, Petra Nagenkögel und Tomas Friedmann – der umfangreiche, längst vergriffene Band SALZBURGER LITERATOUREN, der Wege durch Stadt und Land Salzburg (zu Fuß oder per Fahrrad) versammelt.

-> Rezension / Die Welt

-> Rezension / LiteraturhausWien

 

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* Thomas Bernhard wohnte in Traunstein. Er nahm sich das Rad seines Vormundes, der an der Front kämpfte, und wollte damit ohne Erlaubnis zu seiner Tante Fanny nach Salzburg fahren – doch 13 km vor dem Ziel stürzte er, die Kette des Rades riß. Er schob das Rad bis zu einem Gasthaus, wo er etwas aß und trank. Zwei Burschen, die sich auch im Gasthaus aufhielten, brachten ihn dann um 3 Uhr früh nach Hause. (nachzulesen in "Ein Kind", 1982)